Hören soll stören? Visueller geht das schneller!

Visuelle Ablenkung bei der Konzentrationsarbeit

Hören soll stören? Visueller geht das schneller!

Visuelle Ablenkung bei der Konzentrationsarbeit

„Ich kann mich nicht konzentrieren. Es ist zu laut!“. Solche oder ähnliche Aussagen begegnen uns häufig in einem Erstgespräch mit Kunden. Dabei ist die mögliche Ablenkung über akustische Störungen deutlich geringer als über visuelle Reize einzuordnen. Der Grund dafür ist tief in unserer Menschwerdung verankert. Schnelle Verarbeitung von Bildern war (früher) lebensnotwendig.

Wir setzen uns mit dem Thema Ablenkung im Allgemeinen und den Folgen auf die Mitarbeitenden im Büro im Folgenden etwas genauer auseinander.

Die Ablenkung in Zahlen

Die Informationskapazität eines gesunden Menschen liegt anteilig bei nur ca. 12% im Hören, jedoch bei 75% im Sehen.

Das Gehirn verarbeitet nur einen Bruchteil aller Reize. Insgesamt werden 1,25 MB jede Sekunde durch die unterschiedlichen Aufnahmekanäle aufgenommen. Über den ganzen Tag gesehen, wären das ungefähr 13 engbedruckten Bibelausgaben oder der Inhalt der Bildzeitung in 75 Jahren. Eine riesige Informationsmenge!

Die Hauptinformationslast bei der Aufnahme kommt dem Sehen zu. Rund drei Viertel aller Informationen nimmt das menschliche Auge auf. Danach folgt das Hören – mit nur noch 12 Prozent Anteil am Informationsfluss.

Auge an Ohr: Ich sehe was, was du nicht hörst!

Im Büroalltag tritt dieser extreme Unterschied der Sinneswahrnehmungen sehr häufig zu Tage: Während eines konzentrierten Meetings in einem lichtdurchfluteten Besprechungsraum herrscht eine konzentrierte Stille. Jede Katze würde mit einem leisen Schnurren deutlich zu hören sein. Doch die Ablenkung bliebe beim reinen Geräusch gering – selbst wenn der Schnurrweltmeister, der Kater Merlin aus Südengland, mit fast 68 Dezibel ein gehöriges Geräusch machen könnte.

Solange keine Katze zu sehen ist, lenkt es nur geringfügig ab. Streicht ein graues Kätzchen aber vor der Fensterscheibe über den Rasen oder sammelt ein Eichhörnchen Nüsse, ist die Aufmerksamkeit schlagartig weg. Geräusche melden unserem Gehirn Achtungssignale und erzeugen einen Aufmerksamkeitsschub. Das wirkt sich nicht zwingend negativ aus.

Wenn in einem Teambüro ein  relativ lauter Grundgeräuschpegel herrscht, ohne das aber Worte oder Sätze gut verständlich sind, ermöglicht dies den Mitarbeitenden eine recht gut verträgliche Arbeitsumgebung. Das ist beim visuellen Anreiz komplett anders. Geht  die Türe auf und irgendjemand, egal ob bekannt oder unbekannt,  betritt den Raum, ist der Fokus dahin und der Blick schweift vom eigenen Bildschirm weg.

Urmenschliche Prägung beim Homo in officio

Grund für die Prägung liegt in unserer Entwicklung vom Tier (welches gejagt und gefressen wurde) hin zum Büromenschen. Dabei sind Ur-Verhaltensmuster in uns verankert geblieben und wir können uns nur sehr bedingt davon lösen. Gerade Veränderungen im sog. Peripheriebereich erregen schlagartig unsere Aufmerksamkeit.

Wir reagieren auf jede Veränderung, die wir im Augenwinkel wahrnehmen. Am kritischsten ist hierbei die Fläche neben dem Bürostuhl in Bodennähe. Hier genügen selbst kleinste Veränderungen wie das Vorbeigleiten eines Schattens, um unsere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Fressen oder gefressen werden

In der Evolutionsgeschichte des Menschen ist eine Veränderung im Peripheriebereich immer mit drohender Gefahr verbunden gewesen und hat sich tief in unserem Gehirn verankert. Schnell und eindeutig musste eine Abwägung erfolgen: Flucht, Verharren oder Angriff. Diese „Hochgeschwindigkeitsabschätzungen“ führen auch heute noch zu Stress und vor allem zu Ablenkung. Stresshormone werden ausgeschüttet. Die Konzentration sackt ab.

In einer sogenannten Konzentrationskurve bildet sich bei visueller Störung ein sogenannter Sägezahneffekt. Die Konzentration reißt schlagartig ab, wird auf die Störung fokussiert und baut sich dann erst langsam wieder auf. Ist dieser Ablauf sehr häufig und regelmäßig wiederkehrend, erhöht dies die Fehlerhäufigkeit, führt zu Frustration  und kann im schlimmsten Fall psychisch oder physisch krank machen.

Jeder Mitarbeitende verlässt ca. 26-mal pro Arbeitstag seinen Platz und kehrt genauso oft wieder zurück. Dies bedeutet bei einem 4-er Büro >150 Störungen durch die engsten Kollegen. Stellen Sie sich vor, Sie haben die Bürotür im Rücken oder den Laufweg visuell ungeschützt in Ihrem Peripheriebereich.

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Klären Sie Ihren eigenen Bedarf am Arbeitsplatz!

Wenn Sie die beschriebene Wirkung im Team verdeutlichen wollen – hier ein kleines Rollenspiel:

  • Lassen Sie eine Person sich an einen Arbeitsplatz setzen und geben Ihr eine Colaflasche in die Hand.
  • Bitten Sie nun die Person, die Inhaltsstoffe laut vorzulesen. Sie erreichen damit, dass die Person sich nachweislich auf den Text konzentrieren muss.
  • Nähern Sie sich nun mit Ihrer Fußspitze von hinten dem Peripheriebereich oder rollen Sie z.B. einen Ball am Sitz vorbei. Die Person wird dadurch abgelenkt, stockt im Lesefluss oder „verliert“ sogar vollständig den Lesefaden.

Für den eigenen Arbeitsplatz ist es naturgemäß deutlich schwieriger, valide Zahlen zu erhalten. Dafür nutzen unsere Spezialisten die BA Efficiency Matrix – ein Tool, das die Verluste der Effizienz der Konzentrationsarbeit erfasst und visualisiert. In der Gegenüberstellung der Mitarbeiterkosten ergeben sich teilweise dramatische Zahlen für das Unternehmen.

Die Mehrkosten für die Ausstattung eines Arbeitsplatzes mit optimaler visueller Abschirmung sind dagegen bei einer mehrjährigen Abschreibung verschwindend gering.

Jede Produktion ist gewöhnlich bis in den kleinsten Handgriff optimiert. Im Bereich der Büroarbeit gilt häufig noch das Motto „die Mitarbeitenden sitzen warm und trocken“. Dabei bietet gerade die Eindämmung der visuellen Ablenkung ein riesiges Potential einer Optimierung. Eine Win-Win-Situation für die Mitarbeitenden im Unternehmen und die Firma selbst.