Biophilic Design – keine Angst vor der Natur im Büro

Der Mensch ist Teil der Natur. Auch wenn die Technisierung immer weiter fortschreitet, brauchen wir eine Verbindung zur natürlichen Umgebung. Genau hier greift das Biophilic Design an. Farben, Formen und Strukturen werden aus der Natur entlehnt und in die Büroflächen eingebracht. Die Notwendigkeit ist klar, denn Büroarbeiter:innen verbringen etwa 11 Stunden am Tag mit der Nutzung technischer Geräte und nach einer Studie von interface.com bis zu 93% in geschlossenen Räumen. Kein Wunder, dass die Sehnsucht nach der „Außenwelt“ immer größer wird und eine gewissen Frustration bei der Arbeit ansteigt.

Natürliche Farben – der Einstieg

Einfacher Start – Farben wechseln! Über 70 Prozent aller Sinnesreize, die im Gehirn ankommen, sind visuell. Das Auge entscheidet also quasi über die Informationsverarbeitung. Dabei fällt den Farben ein erheblicher Einfluss zu. Sie können unterstützen oder auch blockieren, warnen oder beruhigen, aktivieren oder abschlaffen lassen.

Es bleibt daher ein Rätsel der bisherigen Büroeinrichtung, warum weiße Wände und dunkelgraue Teppiche noch immer zum normalen „Outfit“ von Geschäftsräumen gehören. Natur sieht anders aus. Dabei sind gerade natürliche Farben wie grüne, orange und hellbraun in ihrer Wirkung sehr stützend, gerade bei konzentrierten Arbeiten.

Interface hat in der oben verlinkten Studie festgestellt, dass die Mitarbeitenden in Büros mit natürlichen Farben rund 6 % produktiver arbeiten und sich dabei um 15 % wohler fühlen als jene, deren Umfeld farblich trist gestaltet ist. Naturfarben in die Büros zu bringen, ist dabei der wahrscheinlich einfachste Eingriff ins Büroumfeld – egal ob die Farben sich über die Wände, den Boden oder die Büromöbel manifestieren.

Eine Warnung muss trotzdem sein! Vorsicht bei internationalen Teams! Grün ist nicht überall automatisch gleich lebendige Natur. In Skandinavien und Kanada wird vorrangig Wasserblau mit Natur verbunden. Zentralafrikanische, mittelamerikanische oder auch in vorderen Orient gelten Braun- und Beigetöne als natürlich.

Das Auge wandert mit – Der visuelle Schein von Natur

Unsere Natur ist selten gleichförmig. Daher reagieren wir auch stärker und positiver auf die natürlichen Unregelmäßigkeiten. Sind wir jetzt schon beim Thema Topfpflanze? – Nein!

Farben sind schön, mit der Struktur der Natur kann ich aber einen deutlich höheren Effekt erzielen. Eine Fototapete mit Waldmotiv ersetzt die grüne Farbe. Ein Teppichkonzept mit angedeuteten Strukturen, unterschiedlichen Florhöhen und natürlichen Farben ersetzt das ewige Grau in Grau deutscher Büros. Selbst Schallabsorber sind mittlerweile in Baumstamm-Optik erhältlich.

Kurzum ist ein freundliches, naturnahes Konzept entstanden ohne auch nur ein Stück Natur im Einsatz. Abrunden können wir das Ganze dann mit einer großen Portion Tageslicht – oder heutzutage durch Leuchten mit Human Centric Lighting. Dabei handelt es sich um Leuchten, die den Tageslichtverlauf nachempfinden. Dies geschieht über eine kontinuierliche Anpassung von Helligkeit, Lichtfarbe und Lichtspektrum.