Das mutige Grau

Farbgestaltung im Büro

Das mutige Grau

Farbgestaltung im Büro

Farben haben eine emotionale Wirkung auf den Betrachter. Die Welt ist bunt. Durch das Auge von Insekten und anderen Tieren betrachtet sogar sehr bunt. Farbe erregt Aufmerksamkeit, erzeugt Emotionen und trifft immer unterschwellig eine Aussage.

Trotzdem nutzen viele Büros aktuell für ihre Wände ein Weiß oder leichtes Grau. Knallig farbige Einrichtungen sind eher die Ausnahme und werden auf den ersten Blick als innovativ wahrgenommen. Farben haben jedoch eine sehr starke und auch sehr individuelle Wirkung, daher erscheint die richtige Auswahl schwierig – und Grau wird doch wieder zur mutigen Entscheidung statt dem klinischen Weiß.

Farbdefinition – eine alte Wissenschaft

Schon der gute alte Johann Wolfgang von Goethe hat sich mit der Definition von Farben intensiv beschäftigt. Sein Farbkreis beinhaltet die Farbe Grün als eigenständige Farbe, obwohl diese eigentlich eine Mischung aus Gelb und Blau ist.

„Aristoteles machte sich bereits Gedanken zur Ordnung der Farben, doch die ersten Farbsysteme entstanden erst im 17. Jahrhundert. Schon bald erkannten die Gelehrten, dass zu einer vollständigen Darstellung dreidimensionale Systeme nötig sind. So entwickelten sie Farbenkugeln und Farbenpyramiden, wie sie auch Goethe in seiner Farbenlehre beschrieb. Auf diesem Wissen aufbauend entstanden schließlich die vielseitig einsetzbaren modernen Farbsysteme.“

Quelle: Brillux GmbH & Co. KG 2008

Klarheit über Farbe entscheidet oft über Projekterfolg

RAL-Farben sind genau definiert und werden gedruckt dargestellt, oft mittels Farbfächer. Dieses einheitliche System ist sowohl für den Gestalter als auch für den Kunden von außerordentlicher Wichtigkeit. Durch die verschiedenen Medien werden die dargestellten Farben unterschiedliche dargestellt – denken Sie nur an den Versuch, eine Bildschirmanzeige beim Computer farbecht auszudrucken. Da wären Unstimmigkeiten bei der Projektbesprechung vorprogrammiert. Haben aber beide Parteien einen RAL-Farbfächer in der Hand, können Farbgestaltungen selbst am Telefon ohne Irrtum besprochen und festgelegt werden.

Technologiebedingt haben sich bestimmte Farbmodelle entwickelt, etwa RGB, CMYK, der HSL-Farbraum oder der hexadezimale Farbcode. Diese definieren die Farben für die jeweiligen Medien, für die sie verwendet werden, eindeutig und bilden so die Grundlage für geläufige Farbsysteme wie PCCS, RAL, Brillux Scala oder Pantone.

In meinem Studium waren die „Pantone Marker“ der Hit – dann kam der Computer mit seinen Bildschirmen…

Probieren Sie es selbst aus!

Ein kleines Rollenspiel: Fragen Sie Ihre Kollegen:innen, welches Unternehmen für die Farbe Rot steht! Sicherlich werden die meisten mit Coca-Cola antworten (seltsamerweise fällt unser Name als Firma da fast nie).

© encycolorpedia.de

Nun nehmen Sie einige unterschiedliche Rotvariationen und bitten Ihre Kollegen:innen das „richtige“ Rot von Coca Cola auszuwählen. Sie werden erstaunt sein – selten wird das „richtige“ Rot gewählt. Das liegt vor allem daran, dass Farbwahrnehmung extrem subjektiv geprägt ist und von vielen Aspekten abhängt.

Die Lösung ist übrigens der Hex-Code #fe001a – oder in den anderen Farbmodellen: RGB (99.61% Rot, 0% Grün, 10.2% Blau) | HSL-Farbraum (Farbtonwinkel 354°, 100% Sättigung, 50% Helligkeit). Physikalisch gesehen hat das Coca-Cola-Rot eine ungefähre Wellenlänge von 613.42 nm.

Gleiches werden Sie bei den Farben Orange (Sixt) oder Magenta erleben. Ja, das vermeintliche „unique“ Telekom-Magenta hatte die LTUR früher für sich in Verwendung. Ein weiteres Beispiel:

Für ein Unternehmen mit Stammsitz in Japan habe ich im Bereich der Rückzugs- und Kreativflächen bei einem Entwurf tief in den Gelb-Farbtopf gegriffen. Das Ergebnis hat sehr ansprechend auf uns gewirkt. Das Internet ordnet die Farbe Gelb in Japan zu Adel und Würde. Für unseren Kunden steht die Farbe Gelb jedoch auch für Nervenheilanstalten. Wir mussten den Entwurf farblich nochmals komplett neu denken.

Farben sind sehr subjektiv

In meiner täglichen Praxis erlebe ich es permanent – es gibt in Bezug auf Farbe außerhalb der Vorgaben aus der Corporate Identity kein „richtig oder falsch“ – es geht meist sehr schnell um „es gefällt mir“ oder „es gefällt mir nicht“.

Diesen Fakt kommuniziere ich auch sehr offen an meine Kunden. Farben transportieren Emotionen und Gefühle – Sie lassen einen definitiv nicht „kalt“. Farbgestaltung in der Innenarchitektur provoziert im ersten Step und schafft dann die Entscheidungsgrundlage für den weiteren Gestaltungsprozess.

Diese finalisiert sich dann oft im mutigen Grau. Damit kann man wenig „falsch“ machen. Grau passt immer und zu allen Farben. Eine Mischung aus Weiß und Schwarz – beide sind Nichtfarben.

Und nun fragen Sie sich eventuell, warum so viele Designer und Architekten zu offiziellen Anlässen komplett in schwarz gekleidet auftreten… 😊